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Menschen und Mächte

Die verrückte MAGA-Welt

US-Präsident Trump hätte den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine längst stoppen können, hätte er diese bedingungslos unterstützt. Die Ukraine wäre dann ein amerikanischer Stellvertreter geworden und damit für Putin unangreifbar. Stattdessen drängte Trump auf einen Deal.

Deal bedeutet aber nichts anderes als eine Legitimation der russischen Aggression und damit dessen Ermutigung. Der Krieg wird umgedeutet zu einem Streit um ein Stück Land und da die Ukraine die vermeintlich schwächere Partei ist, übt Tump Druck auf sie aus, gefälligst einzuknicken. Für Trump ist die Ukraine längst zu einem Ärgernis geworden.

Ein Ärgernis ist die Ukraine auch für Ungarns Ministerpräsidenten Orbán, der sein Land nach russischem Vorbild zu einer korrupten und wirrschaftlich schwachen De-facto-Autokratie umgeformt hat, auch wenn es dort noch halbwegs freie Wahlen gibt. Orbán ist Putins wichtigste Marionette in Europa und auf dessen Seite, wenn es um den russischen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine geht.

Demnächst sind nämlich Wahlen in Ungarn und Orbáns Wahlkampf besteht im wesentlichen darin, Angst davor zu schüren, dass mit einem Sieg seines Rivalen Magyar das Land in einen Krieg gegen Russland gezogen werden könnte. Dazu wird der ukrainische Präsident Selenskij in schrillen Tönen als korrupt und gierig dargestellt.

Die Anti-Globalisten gehören nicht zur bürgerlichen Mitte

Orbán verbindet mit Trump eine Feindschaft gegenüber dem abfällig so genannten «Globalismus». Die Anti-Globalisten lehnen Einwanderung ab oder begegnen ihr mit erheblicher Skepsis und sehen supranationale Institutionen wie die EU, NATO oder UN als Gefahr für die nationale Souveränität, die bei ihnen mit traditionellen Werten von Familie und Glaube verbunden sind.

Demokratie und individuelle Freiheit, Herrschaft des Rechts, Pluralismus und Globalisierung bedeuten ihnen nichts oder werden von ihnen bekämpft. Die Anti-Globalisten sind nicht der rechte Rand der bürgerlichen Mitte, sondern stehen rechts von ihr und betrachten alles links von ihr als Teil ein und desselben Programms, das darauf abzielt, die Souveränität der Nationen abzuschaffen.

Dieses Weltbild teilen auch die Anti-Transatlantiker Trump und sein Vize JD Vance, weswegen sie Orbán aktiv darin unterstützen, wiedergewählt zu werden. Vance kommt darum im April nach Ungarn, dem einzigen Land, das er dann in Europa besuchen wird. Wie verrückt das eigentlich ist, scheint niemandem der MAGA-Bewegung – «Make America Great Again» – aufzufallen.

Denn die Anti-Globalisten wie Orbán sind allem feind, was gemeinhin mit dem Westen verbunden wird und deswegen hilft Orbán nicht nur Putin, durch den Kauf von russischem Öl dessen Kriegskasse zu füllen, sondern auch den iranischen Mullahs, die von der EU gegen sie verhängten Sanktionen durch Kooperationsabkommen zu mildern.

Wahlkampfhilfe für den besten Freund der eigenen Feinde

Die Mullahs wiederum greifen derzeit amerikanische Stützpunkte am Golf an und Putin hilft ihnen dabei, indem er ihnen geheimdienstliche Erkenntnisse über Truppenstationieren der Amerikaner liefert. Orbán wiederum hilft als eines der wenigen Länder weltweit Russland und Iran und damit den Gegnern der USA.

Deswegen sollte Orbán der letzte Regierungschef in Europa sein, dem Trump und Vance Wahlkampfhilfe leisten, doch das Gegenteil ist der Fall. Mehr noch, kürzlich durfte eine russische Delegation sogar das Capitol, den Sitz des Kongresses, besuchen – einfach einmal Vertreter eines Terrorstaates einladen, der die eigenen Soldaten töten hilft, warum nicht.

Das ist die verrückte MAGA-Welt und man fragt sich, ob ihre Anhänger in Wahrheit nur ihr eigenes Land hassen und diesen Selbsthass durch rhetorische Selbsterhöhung lediglich kompensieren, da erreicht uns schon die nächste absurde Nachricht von Trump, dessen Feldzug gegen das Mullahregime zu den wenigen positiven Handlungen seiner Amtszeit gehört.

Trump nämlich betrachtet die neue Führung des iranischen Mullah-Regimes ernsthaft als «Regimewechsel», obgleich sich am Regime nichts geändert hat, das übrigens weiterhin die Strasse von Hormuz blockiert. Letztere nannte Trump halb im Scherz «Trump-Meerenge». In seiner Selbsterhöhung ist er sich treu geblieben, seine MAGA-Bewegung bewundert ihn dafür.

Von Michael Kreutz, Dr. phil.

Orientalist (Dr. phil.), Politologe & Kulturjournalist. Website: www.michaelkreutz.net

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