Menschen und Mächte, Naher Osten

Kriegstagebuch Aleppo (2)

Heute ist in einigen Teilen der Stadt die Stromversorgung wieder zurückgekehrt, sie ist jedoch schwach und reicht gerade für die Beleuchtung, nicht mehr. Manchmal reicht sie jedoch noch nicht einmal dafür. Seit gestern morgen kommt kein Wasser mehr und auch jetzt noch nicht.

In einigen Vierteln Aleppos gibt es Demonstrationen gegen die Freie Armee, die mittlerweile voll von Dieben und militanten Islamisten ist. Viele Kinder leben in der Kälte, ohne Heizung, Essen oder Brot. Das Brot ist knapp geworden, auch gibt es kein Mehl. Brennmaterial ist ebenfalls kaum aufzutreiben und sehr teuer.

Gestern waren viele Gefechte zu hören, es gibt aber auch Gegenden, die in erheblichem Masse dem Feuer zum Opfer gefallen sind, wie Bustan al-Qasr, wo vor etwa vier Tagen der Bombenabwurf auf eine Bäckerei an die hundert Menschen das Leben gekostet hat, die Schlange standen, um Brot zu kaufen.

Gerüchte gehen um, dass der Kommandant der Luftstreitkräfte dem Präsidenten Bashar al-Asad geschworen hat, dass er innerhalb von drei Tagen imstande sein werde, in Bustan al-Qasr spazierenzugehen, was wahrscheinlich der Grund für die jüngste Eskalation ist.

Das Internet funktioniert, doch gibt es keinen Strom, um ins Internet zu gehen. Die Dinge stehen nicht gut, zumal es dieser Tage eine Hungersnot in Aleppo gibt. Die meisten Familien werden deshalb bei Wochenbeginn am Samstag oder Sonntag in die Türkei gehen, wo die türkische Grenze Zeuge einer grossen Wanderungsbewegung sein wird.

Viele Menschen sagten mir, dass sie in die Türkei gehen werden.

Aleppo, 7.12.2012

(Aus dem Arabischen von Michael Kreutz)

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