Menschen und Mächte, Naher Osten, Politik und Geschichte, USA

Immer der Ami

Als die Amerikaner diverse nahöstliche Potentaten unterstützten,  waren nicht wenige im Westen der Meinung, dass es kaum Demokratie im Osten geben werde, solange die Amerikaner an jenen Potentaten festhielten. Seitdem eine amerikanisch geführte Koalition das irakische Baath-Regime gestürzt hat, heisst es, dass Amerika nun ein beispielloses Chaos im Land zu verantworten habe.

Als in Iran im August 2005 Ahmadinejad dank manipulierter Wahlen das Präsidentenamt eroberte, schrieb ein Giessener Islamwissenschaftler, dass es “bei allen Unregelmässigkeiten […] wohl weniger Manipulationen und Behinderungen als bei den Purpur-Finger-Wahlen im Irak” gegeben habe, die Anfang desselben Jahres unter der Herrschaft der US-geführten Koalition abgehalten worden waren.

Als es um die politische Neuordnung des Irak ging, waren nicht wenige im Westen der Meinung, dass die Amerikaner niemals einen Schiiten die Regierungsgeschäfte führen lassen würden, stünden die Schiiten doch mit dem Erzfeind Iran im Bunde.

Nachdem mit Ibrahim al-Dschafari, Nuri al-Maliki und Haidar al-Abadi drei Schiiten das Amt des Ministerpäsidenten innehatten und alle anderslautenden Vorhersagen Lügen gestraft wurden, erklärt ein deutscher Journalist, dass, wer den sog. ISIS stoppen wolle, die Diskriminierung der Sunniten beseitigen und sie “wieder zu gleichberechtigten Mitgliedern des irakischen politischen Lebens machen” müsse.

Als in Syrien die anfangs noch moderaten Gegner des Assad-Regimes auf die Strassen gingen, habe Bushs Nachfolger im Amt des amerikanischen Präsidenten, Barack Obama, keine Bereitschaft gezeigt, sie zu unterstützen, womit er den Aufstieg des sog. ISIS “leider” mit ermöglicht habe, wie der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger glaubt.

Bushs Fehler war es, sich im Irak eingemischt zu haben. Hätte er sich bloss herausgehalten!

Obamas Fehler war es, sich nicht früh genug auf die Seite der syrischen Oppositionellen gestellt zu haben. Hätte er sich bloss eingemischt!

Merke: Die Amerikaner können Demokratie verbreiten oder nicht verbreiten, können mit Diktatoren zusammenarbeiten oder sie stürzen, können Wahlen organisieren oder nicht organisieren, können sich einmischen oder nicht einmischen – schuld sind sie immer an den Zuständen im Nahen Osten.

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