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Operation Nouruz

Was planen die USA und Israel in Iran und wie könnte es gelingen, die Macht an die iranische Bevölkerung zu übergeben oder sie in die Lage zu versetzen, sie zu übernehmen? Von dieser Frage hängt nicht zuletzt ab, wie lange noch gekämpft werden muss.

Investigationsjournalisten wollen herausgefunden haben, dass Israel nicht nur die inneren Machtzentren des islamischen Regimes schachmatt setzt, sondern auch Polizeireviere bis hinunter auf die niedrigste Ebene. Der pensionierte israelische Oberleutnant Jonathan Conricus bestätigt, dass damit die iranische Bevölkerung in den Stand versetzt werden soll, zum geeigneten Zeitpunkt die Macht zu übernehmen.

Es gibt nun verschiedene Schätzungen von Fachleuten, wie lange der Krieg, wenn er plangemäss läuft, noch dauern könnte. Die Schätzungen reichen von einer bis zu drei Wochen, also bis maximal Ende des Monats März. Ein Schwachpunkt in dieser Kalkulation ist ausgerechnet US-Präsident Donald Trump.

Denn Trump gilt als unberechenbar und wankelmütig, zumal selbst seine MAGA-Basis nur teilweise seinen Feldzug gegen das islamische Regime unterstützt. Trump könnte sich also bald aus dem Krieg zurückziehen, was bedeutet, dass das islamische Regime, nunmehr schwer verwundet und gedemütigt, noch repressiver und aggressiver aus der Situation hervorgehen könnte.

Israel ist also gewissermassen dazu verdammt, das Regime zu stürzen, notfalls im Alleingang, weswegen es seine Angriffsflüge mit besonders hoher Dichte fliegt. Die Frage ist, wann der Zeitpunkt erreicht sein könnte, dass sich die iranische Bevölkerung einigermassen gefahrlos auf die Strasse wagen kann, um die Macht im Land zu übernehmen. Hier bietet sich ein Datum besonders an.

Der richtige Zeitpunkt

Denn am 20. März ist Nouruz, der iranische Neujahrstag, an dem die Menschen massenhaft ins Freie drängen und zu dem auch der traditionelle Sprung über das Feuer gehört. Das Fest ist vorislamischen Ursprungs und wesentlicher Bezugspunkt iranischer Identität. Die islamischen Machthaber versuchten seit Jahrzehnten, das Fest wahlweise zu marginalisieren oder für sich zu vereinnahmen, doch vergebens.

Wenn die Menschen ohnehin in Massen auf die Strassen drängen, werden die letzten Reste des Regimes sich kaum dagegen stellen. Es liegt nahe, dass die für Nouruz typische Feierlaune und der Freudentaumel, vergleichbar mit unserem Silvester, ein enormes Momentum birgt, das sich für einen Sturz des Regimes nutzen lässt. Sollte das der Fall sein, wird es das schönste Nouruz-Fest seit 47 Jahren werden.

Von Michael Kreutz, Dr. phil.

Orientalist (Dr. phil.), Politologe & Kulturjournalist. Website: www.michaelkreutz.net

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