Was US-Präsident Trump in Iran vorhat, mag unklar sein, dafür ist die israelische Position umso klarer: Würde sich in Iran eine säkulare Demokratie etablieren, wären Israels Sorgen um seine Sicherheit über Nacht verschwunden. Doch manche Reporter, Kommentatoren, Nahost- und Politikexperten wollen die USA und Israel offenbar unbedingt scheitern sehen.
So sieht ZDF-Reporterin Isabelle Tümena (ab ca. 16:35) in dem frisch zum obersten Führer gewählten Mojtaba Khamenei, den sie als «Hardliner» bezeichnet, ein Zeichen für die Kontinuität des Regimes und – aufgepasst! – eben keinen Regime Change, d.h. sie glaubt, Regime Change bedeute lediglich einen Wandel innerhalb des bestehenden Regimes.
Dieselbe Geisteshaltung finden wir beim «Spiegel»: Dort erklärt ein Maximilian Popp den Regime Change für abgesagt, weil das Regime mit der Wahl von Mojtaba jetzt seine Macht konsolidiere. Tatsächlich heisst Regime Chance, also Regimewechsel, nicht, dass sich die Islamische Republik zum besseren wandelt. Regime Change bedeutet, dass die Islamische Republik zu existieren aufhört.
Regime Change heisst nicht, dass sich das Regime zum Besseren wandelt
Die iranische Bevölkerung will eine Demokratie und dies im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie und wen die herrschende Elite jetzt als ihren Führer wählt, ist dabei vollkommen belanglos. Derweil zeigt Nahostexperte Volker Perthes im Interview mit der taz , dass er die Natur der Islamischen Republik noch immer nicht begriffen hat, wenn er sagt:
«Ich bin überzeugt, dass die Chancen auf einen friedlichen Machtwechsel hin zu einer besseren Regierungsform ohne ausländische militärische Intervention größer gewesen wären.»
Vor dem Hintergrund, dass Iran in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Protestwellen erlebt hat, die jedesmal blutig niedergeschlagen wurden, zuletzt Anfang Januar mit bis zu dreissigtausend Toten, mutet diese Vorstellung geradezu abenteuerlich an, aber Perthes schwimmt mit auf der Welle vieler Kommentatoren, die alle nicht an einen Regimewechsel glauben wollen oder keinen Begriff von ihm haben.
Manch einer sieht sich in seiner Annahme vom abgesagten Regimewechsel dadurch bestätigt, dass die Menschen jetzt nicht massenhaft auf die Strasse gehen. Dabei ist der Grund klar: US-Präsident Trump hat der iranischen Bevölkerung gesagt: «Stay sheltered, don’t leave your homes – bleibt in Deckung, geht nicht nach draussen», also bleiben die Leute in Deckung und gehen nicht nach draussen.
Denn Iran ist mehr als viermal so gross wie Deutschland. Die Repressionsapparate der Islamischen Republik auszuschalten, braucht folglich seine Zeit, bevor die Menschen sich weitgehend gefahrlos auf die Strasse begeben und die Macht übernehmen können. Doch verzerrt der anti-amerikanische und anti-israelische Reflex das logische Denken, so auch in der 3sat-Sendung «Kulturzeit«.
Der Sendebeitrag war eine einzige Propagandashow im Sinne des Regimes, natürlich mit den unvermeidlichen Experten Deitelhoff, Gerlach, Fathollah-Nejad. Denn Amerikaner und Israelis dürfen nur scheitern und müssen als diejenigen präsentiert werden, die die Iraner hinters Licht führen und ihnen falsche Hoffnung machen. So muss es einfach sein.
