Naher Osten

Ein Krankenhaus in Aleppo

Wohl kein Krieg der Geschichte stand jemals so sehr im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit wie derjenige im gegenwärtigen Syrien. Beinahe im Minutentakt wird Filmmaterial ins Internet hochgeladen, das den Schrecken des Krieges immer wieder aufs Neue demonstriert. Nachdem das Assad-Regime erhebliche Erfolge im Kampf mit den Rebellen erzielt haben soll, haben diese gestern einen bedeutenden Sieg errungen, als es ihnen gelang, das Kindi-Krankenhaus in Aleppo zu erobern.

Das Krankenhaus, das sich keine zehn Kilometer vom Stadtkern entfernt befindet, galt als Folterzentrum der Regierung (Vorsicht! Diese Bilder sind nichts für schache Nerven). Schon seit Wochen wurde versucht, das Gebäude zu erobern, das einen hohen strategischen Wert haben soll, zumal ein Gefängnis der Regierung in unmittelbarer Nähe liegt.

Die entscheidende Szene erfolgt, als ein Wagen mit Sprengstoff, der den Islamisten von “Fajer al-Sham” gehört, den Hang hinaufkriecht, auf dem das Krankenhaus steht. Kurz darauf kommt es zu einer gewaltigen Detonation.

Insgesamt handelt es sich um zwei Lastwagen mit Sprengstoff. Wie man sieht, sind Teile des Krankenhauses eingestürzt. Dann wird das Gebäude von den Rebellen erstürmt.

Nach der Einnahme des Krankenhauses machen die Rebellen Gefangene unter den Soldaten der Regierung. Diesen Soldaten droht die rasche Erschiessung oder der Foltertod.

Es scheint kaum mehr Hoffnung für Syrien zu geben. Sollten die Rebellen siegen, wird die Welt sich das Assad-Regime als das kleinere Übel wünschen. Vielleicht. Daniel Pipes’ Vorschlag, dass der Westen im syrischen Krieg diejenige Seite unterstützen solle, die ins Hintertreffen gerät, mag zynisch klingen, möglicherweise aber ist das die einzig rationale Antwort auf die Frage, wie der Westen sich überhaupt positionieren soll.

Berichten, nach denen die französische Regierung Beweise dafür haben soll, dass die dschihadistischen Gruppen in Syrien mit Assad kooperieren, verdienen keine allzugrosse Aufmerksamkeit. Es häufen sich aber die Berichte, dass der Vormarsch der Islamisten selbst unter Syrern, die das herrschende Regime ablehnen, dazu geführt hat, dass Assad tatsächlich als das geringere Übel erscheint.

Andererseits ist das Regime nicht dafür bekannt, seine Angriffe so zu führen, dass die Zivilbevölkerung möglichst wenig in Mitleid gezogen wird. Dafür braucht man sich noch nicht einmal auf Angaben von Rebellenorganisationen oder Menschenrechtsaktivisten zu verlassen, sondern muss lediglich die Videos anschauen, die das Regime selbst im Netz zur Verfügung stellt (hier ein Beispiel aus Latakia).

Medizinische Untergrundstationen arbeiten derweil unter katastrophalen Bedingungen, immer in der Gefahr, von der Gegenseite beschossen zu werden. Allerdings haben die Rebellen offenbar auch wenig Absicht, die ambulanten Stationen als solche aus der Luft kenntlich zu machen. Dass jene vom Regime bombardiert werden, nehmen sie in Kauf, um das anschliessende Leiden propagandistisch ausbeuten zu können.

Nachtrag 28. Dez. 2013

Auf diesem Video (Vorsicht!) sieht man zwei Rebellen vor dem abgeschnittenen Kopf eines mutmasslichen Regierungssoldaten. Die oben geäusserte Vermutung, dass die Gefangenen von den Rebellen keine Gnade zu erwarten haben, wird somit zur Gewissheit.

 

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