Radikalismus und Gewalt

Nach dem Massaker von Berlin

Soweit bekannt, hat der mutmassliche Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz zwölf Menschen das Leben gekostet. Unverständlich ist, warum es so weit kommen konnte.

Unabhängig davon, ob der LKW vorsätzlich in die Menge auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gelenkt wurde oder nicht – die Polizei schliesst einen Unfall mittlerweile aus –, muss man fragen, warum Deutschland nicht die Sicherheitsvorkehrungen getroffen hat, wie dies andere Länder als Reaktion auf den Terroranschlag in Nizza getan haben.

Nachdem in Nizza am 14. Juli des Jahres ein Attentäter mit einen LKW mindestens 85 Menschen ermordet hatte, werden in vielen europäischen Städten öffentliche Veranstaltungen durch Betonblöcke vor dieser Art von Attacken geschützt, wie z.B. das “Lake Festival” in Genf. In Deutschland gibt es das jedoch nur vereinzelt wie in Kassel. Dabei ist die Taktik, Autos als Waffe gegen Menschen zu benutzen, seit mindestens 2008 aus Israel bekannt.

Der sog. Islamische Staat (IS) hat in seinem Propagandablatt Rumiyah Nr. 3 (2016) seine Anhänger explizit dazu aufgerufen, mit schweren Lastwagen in die Menschenmengen offen zugänglicher Grossveranstaltungen zu pflügen. Aus diesem Grund hat das US-Aussenministerium schon vor einem Monat seine Bürger vor entsprechenden Anschlägen in Europa gewarnt. Explizit als Ziele nannte das Propagandablatt:

  • Large outdoor conventions and celebrations
  • Pedestrian-congested streets (High/Main streets)
  • Outdoor markets
  • Festivals
  • Parades
  • Political rallies

Warum von deutscher Seite keine entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden wie sie anderswo seit Nizza Standard sind, ist unverständlich und wird von Verantwortlichen damit erklärt, dass man sich in Deutschland von den Terroristen nicht vorschreiben lassen wolle, wie man zu leben habe. Das ist in diesem Fall aber nicht mehr als eine leere Phrase, denn natürlich sollen Weihnachtsmärkte und öffentliche Veranstaltungen auch weiterhin abgehalten werden.

Auf Massaker wie in Nizza und jetzt wohl in Berlin müssen wir uns einstellen und entsprechend reagieren. Ansonsten werden mehr und mehr Menschen Weihnachtsmärkte und andere Feierlichkeiten meide, wenn sie sich nicht ausreichend geschützt fühlen. Auch müssen wir davon ausgehen, dass der IS durchaus erfinderisch ist, was künftige Terrorattacken angeht. Weitere Aufrufe werden sicherlich folgen und sie werden, wie im Falle der LKW-Methode, von detaillierten Hinweisen begleitet sein, wie der Terrorangriff am besten gelingt.

Natürlich wird es dem IS niemals gelingen, die europäischen Gesellschaftsordnungen zu stürzen, da dies durch Anschläge gar nicht möglich ist. Anschläge sind nicht der Königsweg zur Schaffung eines islamischen Regimes, sondern bringen nur Tod und Leid über die Bevölkerung. Dies aber müssen wir den Terroristen so schwer wie nur möglich machen.

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Update 20.12.2016, 17:26

Auch der Terrorforscher Peter Neumann sagt angesichts des Anschlages von Berlin: “Ich bin schon überrascht, dass man nicht verstärkt sogenannte natürliche Barrieren oder Betonpoller an Weihnachtsmärkten in Deutschland aufgestellt hat. Wir kennen die Gefahr für Weihnachtsmärkte seit langem.” Er kritisiert, dass Deutschland sich hierhin von anderen Ländern unterscheide und strategisches Denken dem Land fehle.

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