USA

Trumps doppelter Coup

Trump bleibt unberechenbar. Obwohl wir hier nicht unbedingt pro Trump sind, muss man sagen: Hut ab vor seinem jüngsten Doppel-Coup.

Mehrmals schon hatte ich den Eindruck, Trump oder seine Berater könnten Bacevich gelesen haben. Jedenfalls scheint der Mann militärischen Operationen abhold, die nur irgendwie darauf abzielen, amerikanisches Engagement im Nahen Osten zu zeigen, das dann wie von selbst, ohne dass präzise Kriterien für eine “Mission Accomplished” formuliert würden, Frieden und Stabilität herrvorriefe. “Magical thinking” nennt Bacevich das.

Und nun dies. Da feuert Trump 59 Tomahawks auf einen syrischen Militärflughafen ab und schafft es, dass kein einziger Zivilist ums Leben kommt. Das war am 6. April. Da die Russen waren vorab verständigt waren, ist hier auch kein grösserer Konflikt vorprogrammiert.

War die Operation illegal? Die einen sagen Ja, die anderen Nein. Aber in jedem Falle hat Trump ein Signal nicht nur an Syrien gesandt, sondern auch an dessen Verbündeten Iran, nach wie vor der grösste Unterstützer des Terrorismus im Nahen Osten.

Ein Kommentar in der arabischen “Elaph” weist genüsslich darauf hin, dass der Iran mit Trumps Schlag sein Projekt in der Region gefährdet sieht, zumal vor einiger Zeit Informationen durchgesickert sind, dass die USA und der Irak sich einander abstimmen, wie die iranische Präsenz im Irak zu begrenzen sei.

Und während man sich in Teheran noch den Kopf über die eigene Strategie zerbricht, gelingt Trump schon der nächste Coup. Das muss man erst einmal schaffen: Ein militärisches Ziel zu finden, das dem erklärten Gegner – in diesem Fall dem IS – erheblichen Schaden zufügt, leicht zu treffen ist und klare Kriterien für ein “Mission Accomplished” möglich macht. Zudem sollen nicht nur möglichst wenige, sondern möglichst gar keine Zivilisten zu Schaden kommen.

Und so kam es zum Abwurf der MOAB, der Massive Ordnance Air Blast, scherzhaft auch “Mother Of All Bombs” genannt, nur eine Woche später. Das Ding hatte man noch übrig aus Waffenbeständen, die gegen Saddam Hussein eingesetzt werden sollten, dann aber nicht mehr zum Zuge kamen – ein perfektes Willkommensgeschenk für den IS, der gerade in Afghanistan auf der Suche nach einer Herausforderung war.

Die gewaltige Bombe zerstörte ein umfangreiches Tunnelsystem der Terroristen irgendwo im Bezirk Achin mitsamt neunzig IS-Kämpfern, die nun nachprüfen können, ob es das Paradies mit seinen 72 Jungfrauen wirklich gibt. Anwohner bestätigen, dass es keine zivilen Opfer gegeben hat.

In beiden Fällen beträgt die Zahl der zivilen Todesopfer Null. Das muss man erst einmal schaffen und wenn Trump jetzt keine Fehler macht, ist ihm damit ein Platz in den Geschichtsbüchern sicher.

Sowohl der Militärflughafen im syrischen Shayrat als auch der Bezirk Achin sind etwa je 2000 km westlich bzw. östlich von Teheran entfernt. Dort dürfte man kalte Füsse bekommen haben, weswegen sich die Iran-Lobby in den USA warm läuft.

Hossein Moussavian, ehemaliger iranischer Botschafter in Deutschland, in dessen Amtszeit die Mykonos-Morde an iranischen Oppositionellen stattfanden und der heute, wie das so ist, in Princeton lehrt, rät dem Iran,  Trumps Aussenpolitik zum Vorwand zu nehmen, um sich als “Soft Power” in Szene zu setzen.

Da lachen selbst die IS-Kämpfer in der heissesten Hölle. Trump hat sie alle aufgemischt und sich vom War Room vermutlich gleich wieder auf den Golfplatz zurückgezogen. Mag sein, dass seine Unberechenbarkeit Trumps grösstes aussenpolitisches Ass im Ärmel ist.


Update 22.04.2017

Angeblich soll sein Schlag in Syrien Trump viel Applaus im Kaukasus gebracht haben.

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