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Vielfalt in Einfalt

Anlässlich des Preises der Leipziger Buchmesse ruft ein offener Brief dazu auf, Autoren mit Migrationshintergrund stärker zu berücksichtigen. Die Unterzeichner glauben beobachtet zu haben, dass sogenannte nichtweisse Autorinnen und Autoren im Literaturbetrieb benachteiligt weüden, was vielleicht der Fall sein mag, weswegen der offene Brief möglicherweie ein berechtigtes Anliegen artikuliert – gäbe es da nicht einen Haken.

Genauer: zwei Haken. Zum einen verstehen die Unterzeichner Vielfalt ausschliesslich als eine ethnische, obwohl dem Kulturbetrieb gerade eine Vielfalt der Anschauungen guttäte und die paternalistische und sozialistische Hegemonialkultur es verdiente, ideologisch aufgebrochen zu werden.

Vor allem aber stellt sich die Frage, warum die Unterzeichner nicht mit guten Beispiel vorangehen und einfach selbst einen Literaturpreis ins Leben rufen! Wenn jeder der gut vierhundert Unterzeichner einhundert Euro in den Topf würfe, käme eine stattliche Summe zusammen, mit der man dem Preis der Leipziger Buchmese Konkurrenz machen könnte. Aber soviel Phantasie bringen sie nicht auf.

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