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Venezuela

Nach Maduro

Um den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro ist es nicht schade; über eine demokratische Legitimation verfügte er keine und sein korruptes Regime dürfte in der Bevölkerung wenig populär gewesen sein. Nun hat der US-Präsident ihn in einer Blitzaktion gefangen genommen. Das wirft Fragen auf.

«Venezuela, Flags All Nations, Series» by themet/ CC0 1.0

Maduro soll zusammen mit seiner Ehefrau in New York wegen Drogenhandels und Terrorismus zulasten der USA angeklagt werden. Beide Anklagepunkte mögen plausibel sein, aber ob sie sich zweifelsfrei beweisen lassen, steht auf einem anderen Blatt. Gehen wir davon aus, dass die Justiz in den USA auch unter Trump noch unabhängig geblieben ist, dann muss das Urteil solange offenbleiben und gilt auch für Maduro die Unschuldsvermutung.

Wie unpolitisch wird das Gerichtsverfahren?

Was also, wenn das Gericht Maduro wegen Mangels an Beweisen freisprechen sollte? Das wäre eine Niederlage sondergleichen für Trump. Spricht das Gericht Maduro aber schuldig, dürfte dies Spekulationen darüber anheizen, inwieweit das Urteil politisch beeinflusst ist. So oder so – was für die Venezolaner eine gute Nachricht sein mag, kann für die USA zu einer Belastung werden. Wobei sich noch eine andere Frage stellt.

Wie nämlich wollen die USA das südamerikanische Land in der Übergangsphase führen? Schliesslich hat das oberste Gericht Venezuelas die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez damit beauftragt, die Amtsgeschäfte zu übernehmen. Zwar lässt die US-Regierung verlautbaren, dass Rodríguez mit ihr an einem Strang ziehe, doch deren Worte klingen anders, hält sie doch Maduro unangefochten für den legitimen Präsidenten ihres Landes.

Auch war Rodríguez in der Vergangenheit nicht dafür bekannt, das Gespräch mit den USA zu suchen – im Gegenteil, sie dürfte noch konfrontativer gewesen sein als ihr eigener Chef, der zuletzt wohl signalisiert hatte, den Konflikt mit den USA entschärfen zu wollen. Das unterscheidet Maduro von Manuel Noriega, dem Autokraten von Panama, den die USA unter George Bush sen. vor 35 Jahren auf ähnliche Weise absetzten.

Noriega allerdings hatte zuvor den USA den Krieg erklärt, bevor er sich vor den amerikanischen Truppen in die Vatikanische Botschaft flüchtete und sich ergab, nachdem die Amerikaner die Boschaft über Lautsprecher mit Heavy Metal-Musik beschallten – eine geradezu filmreife Aktion. Demgegenüber war die Absetzung Maduros weit weniger spektakulär, wohl aber auch weniger gewaltsam, jedenfalls scheint es kaum Tote gegeben zu haben.

Bruderstaat des Mullah-Regimes

Es gibt aber noch einen weiteren Unterschied zu Panama. Venezuela war unter Maduro ein selbsternannter Bruderstaat des iranischen Mullah-Regimes und so nimmt es nicht wunder, dass Iran und Russland die Ergreifung des venezolanischen Autokraten massiv verurteilten. Wie auch immer es mit Venezuela weitergehen mag: Wenn das Mullah-Regime ihren zentralen Verbündeten in Südamerika verlieren sollte, wäre das immerhin eine gute Nachricht.

Doch eine Pointe gibt es noch: Denn der Name Maduro steht für das ewige Scheitern des Sozialismus und New York, wohin der Mann nun als Gefangener der USA verbracht wurde, hat mit Zohran Mamdani seit kurzem einen Bürgermeister, der sich stolz einen Sozialisten nennt und von der «Wärme des Kollektivismus» (O-Ton Mamdani) – ein Euphemismus für die Unterdrückung des Individuums – schwärmt.

Wohin Kollektivismus bzw. Sozialismus führt, hätte Mamdani nicht zuletzt an Venezuela studieren können, das schon vor den amerikanischen Sanktionen von einem der reichsten Länder Südamerikas zu einem der ärmsten wurde – und das trotz immenser Ölvorkommen. Ein Ende des sozialistischen Experiments kann für die Venezolaner nur Grund zur Hoffnung sein.


Nachtrag 4. Januar 2026

Die letzten beiden Absätze wurde später hinzugefügt.

Von Michael Kreutz

Orientalist (Dr. phil.), Politologe & Kulturjournalist. Website: www.michaelkreutz.net

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