US-Präsident Donald Trump belebt die alte Monroe-Doktrin neu, nennt sie scherzhaft «Donroe», und meint damit eine Rechtfertigung für die USA, über den gesamten amerikanischen Kontinent das letzte Wort zu haben und amerikanische Interessen notfalls mit Gewalt durchzusetzen.
Freiliich haben die USA auch ohne Doktrin die Macht dazu und so spricht diese nur das aus, was ohnehin eine Tatsache ist. Die Monroe-Doktrin geht auf das frühe 19. Jahrhundert zurück und sollte vor allem die Europäer aus Mittel- und Südamerika fernhalten, also letztlich die ehemaligen Kolonialmächte.

Das änderte sich als 1904 Theodor Roosevelt Präsident wurde und die «Roosevelt Corrolary» in Kraft setzte, die unmittelbar an die Monroe-Doktrin anschloss und als «grosser Knüppel» eine aktivere Gangart in der Aussenpolitik formulierte. Der «Weltpolizist USA» geht als Denkfigur auf diese erneuerte Doktrin zurück.
Nun gehört Trump eher zu den Isolationisten, wobei er mit der Ergreifung des venezolaniscchen Präsidenten Maduro dieser Linie jedoch untreu wurde. Mag sein, dass sich eine neue Weltordnung abzeichnet, in der die USA, Russland und China ihre Interessensphären untereinander aufteilen, aber man darf nicht vergessen, dass auch letztere ihre je eigene Version der Monroe-Doktrin haben.
Die Russland-Kennerin Angela Stent vergleicht die in den 1920er Jahren entstandene Ideologie des Eurasismus expliit mit jener. Der Eurasismus betont das asiatische Erbe Russlands und glaubt an das Recht, seine imperialen Territorien zu beherrschen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sollte sichergestellt werden, dass kein postsowjetischer Staat sich einem westlichen Bündnis anschliessen würde.
Die Konferenz von Jalta als Vorbild
Unter Putin, so Stent, gewann diese Ideologie neue Akzente. Russland verstand sich fortan als Schutzmacht von Regierungschefs postsowjetischer und nahöstlicher Staaten, die ihre Macht von friedlich-demokratischen Revolutionen bedroht sehen. Putin spricht offen von einer «Russischen Welt» (Russkij mir), die über die Staatsgrenzen Russlands hinausreicht und sich von der westlichen Zivilisation unterscheidet.
Ein Vorbild findet Putin in der Konferenz von Jalta 1945, die er als Ursprung zweier getrennter Einflusssphären betrachtet. Aber auch im China des 19. Jahrhundert war die Vorstellung populär geworden, wonach die Randzonen einTeil des eigenen Landes sein sollten, das selbst keine wirkliche Aussengrenzen kennt und vielmehr die Menschheit unter seiner Führung vereinigt.
Als «Zweite Integration» hat die chinesische Doktrin erst vor einigen Jahren eine Aktualisierung erfahren, womit ein Sozialismus chinesischer Prägung gemeint ist, der Chinas Rolle in der Welt stärken soll. Es ist ganz offensichtlich, dass die «Neue Seidenstrasse» ein Teil dieser Doktrin ist. Zusammengenommen bedeutet dies, dass Europa die USA mehr denn je als sicherheitspolitischen Partner braucht.
Doch das ist derzeit bekanntlich immer weniger der Fall. Indem Trump es auf Grönland abgesehen hat, treibt er die Entzweiung seines Landes von Europa sogar noch voran. In Moskau und Peking wird man dies mit Genugtuung aufnehmen.
Literatur
Münkler, Herfried. 2013. Imperien: Die Logik der Weltherrschaft – vom alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten. Köln: Anaconda.
Stent, Angela. 2019. Putins Russland. Hamburg: Rowohlt.
