Mitteilungen aus Kilis (2)

Heute ist Muttertag, wir wünschen den Müttern alles Gute. Doch angesichts des gegenwärtigen Zustands der Mütter in Syrien ist überhaupt nichts gut. Meine Herren, die Lage in Syrien bedarf keiner Erläuterung.

Unterdessen geht die Entwicklung dahin, dass das Staatsoberhaupt Scud-Raketen auf sein Volk zu feuern beginnt, um es für die bewaffneten Milizen aufzuscheuchen. So bewegen sich die Menschen in Richtung der tödlichsten Waffen, den Scud-Raketen mit chemischen Sprengköpfen. Wie soll das weitergehen?

Eingang zur Altstadt von Damaskus

Nero, der Rom niederbrannte, war wahrscheinlich klüger oder weiser als Bashar al-Assad. Dieser Mann hat nicht nur seine Legitimitation verloren, sondern seine Menschlichkeit. In jeder Ecke Syriens hockt der Tod, der die Kinder mit ihren Müttern fortreisst. Oder nur die Kinder, sodass die Herzen der Mütter brennen. Wenn wir am Muttertag nach Syrien schauen – wieviele Mütter heute werden bald um ihre Kinder weinen und wieviele andere werden wehklagen. Wieviele Kinder weinen um ihre Mütter…?

Muttertag … Es soll auf ein altes Fest namens „Ni-Roz“ zurückgehen, ein Wort, das im Altägyptischen „Göttin der Blüte“ bedeutet. Es ist genau wie das Wort Nifartiti „erhabene Königin“, d.h. Königin der Fruchtbarkeit.

Es ist die Zeit der Frühjahrsblüte, sie stimmt mit der Zeit des Arabischen Frühlings überein. Es scheint, dass die Dämonen, die Feinde der Demokratie, den Arabischen Frühling zu vernichten versuchen. Sie brennen die Bäume nieder, töten die Blüten und zertrampeln das Grün – tonnenweise, um die Geburt des Frühlings zu stoppen. Und dann werden sie No-Ruz schon im Ansatz vernichten.

Glauben Sie, dass einige Verrückte die Geburt des Frühlings stoppen können? Ein Verrückter wie Nero hat das Leben im grossen Rom nicht aufhalten können und genauso wenig wird ein Verrückter wie Bashar al-Asad die Lebensadern Syriens unterbrechen.

Lebt, ihr Mütter, ihr Göttinnen der Fruchtbarkeit! Es lebe der Frühling! Lang lebe Syrien – das freie, das blühende! Frohes Nowruz!

Türkei, 21.3.2013

(Aus dem Arabischen von Michael Kreutz)

Autor: Muhammad H. (Gastautor)

Muhammad H. ist ein syrischer Exilant, der vor dem Krieg aus seiner syrischen Heimat in die Türkei geflüchtet ist. Er arbeitet heute in einer Künstlerkolonie im südtürkischen Kilis, von wo aus er die Ereignisse in Syrien ebenso wie die Stimmung in der syrischen Exilgemeinde verfolgt. Vor seinen "Mitteilungen aus Kilis" schrieb er für die transatlantic annotations das "Kriegstagebuch Aleppo".

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