Europa, Radikalismus und Gewalt

Ihr habt kein Recht

Was glauben die Attentäter von Brüssel und ihre Hintermänner vom sog. Islamischen Staat eigentlich, wer sie sind? Sie haben kein Recht, Gott zu spielen, darüber zu entscheiden, wer leben darf und wer nicht. Vor allem sind sie die letzten, die das Recht haben, sich als Opfer zu fühlen.

Denn das tun sie. Im Bekennerschreiben des sog. Islamischen Staates, das nur wenige Sätze umfasst, kommt das Wort “Kreuzritter” sage und schreibe fünf Mal vor. Der sog. Islamische Staat, so wird suggeriert, sei das wahre Opfer, nämlich der Kreuzritter, denen man “schwarze Tage” für ihre Feindschaft gegen den Kalifatsstaat verspricht.

[pullquote]U-Bahn-Fahrgäste, ob jung oder alt, sind jetzt “Kreuzritter”.[/pullquote]Kreuzritter aber sind wir alle. Explizit genannt werden der Flughafen und die U-Bahn-Station als Orte, an denen es “Kreuzritter” treffen sollte. Ganz recht: U-Bahn-Fahrgäste, ob jung oder alt, sind jetzt “Kreuzritter”.

Das Opfernarrativ ist auch sonst eine freche Anmassung, denn es war der sog. Islamische Staat, der der Welt den Krieg angesagt hat, als er verkündete, keine Grenzen, nur Fronten zu haben, und Zivilisten, darunter Journalisten und Entwicklungshelfer, sowie Minderheiten wie die Jesiden gezielt und vorsätzlich abschlachtete. Dieser kümmerliche Pseudostaat in der syrischen Wüste lebt zudem von einer Beuteökonomie, die eine dauernde Expansion erforderlich macht.

Was die westlichen Regierungschefs jetzt tun sollten: Sich öffentlichkeitswirksam mit Vertretern örtlicher Muslime treffen – am besten in einer Moschee –, verkünden, dass wir uns im Westen nicht spalten lassen und den für die Anschläge Verantwortlichen eine angemessene Antwort geben werden – verbunden mit einer klaren Botschaft: Nein, ihr habt kein Recht, euch als Opfer zu fühlen und kein Recht, Gott zu spielen. Ihr nicht!

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