Naher Osten

Dämonisierung, eine Stufe niedriger

Die zionistische Gefahr” lautet das Kapitel eines saudischen Schulbuchs, das, wie auch andere Schulbücher des Landes, im vergangenen Jahr grundlegend überarbeitet wurde. Der israelische Thinktank IMPACT-se hat sich die Unterschiede in Bezug auf Juden und Israel genauer angesehen und festgestellt:

Much of the anti-Israel content that formerly appeared in the textbooks has now been removed including Israel asplotting to expandits territoryfrom the Nile to the Euphrates to secure “Greater Israel” (The 2019 version already omitted an addition to this description that had previously been included: “The global Jewish government, to control the entire world”). The description of Zionism as a racist movementwas removed in one place, but still exists in another. A polemic delegitimizing Israel’s right to exist was also removed.

Das ganze Kapitel namens “Die zionistische Gefahr”, aus dem diese Beispiele stammen, wurde gestrichen. Das ist die gute Nachricht. Die weniger gute ist folgende, wie demselben Bericht zu entnehmen ist:

Israel is still not represented on maps and is still demonized in the curriculum in many ways. Zionismis portrayed as a racist political movement (although one example of this had been removed), and Jews assettlers, occupiers and aggressors. The First Intifadais praised as exposing Israel’s “falseness of democracy.” Allusions to the “State of Israel” appearing in 2017 were replaced by the pejorative “Zionist” or “Zionist Enemy” in the 2019 and 2020 editions.

Man kann dies verhalten optimistisch sehen und den Versuch eines grundlegenden Neuansatzes in der Beziehung des Königreichs zum jüdischen Staat erkennen wollen, der sich schrittweise im Curriculum des Schulwesens widerspiegelt. Man kann die Sache aber auch nüchterner sehen und zur Festellung gelangen, dass es für Saudi-Arabien noch ein weiter Weg zu einer echten Anerkennung Israels ist.

Der Bericht von IMPACT-se weist hin, dass sich die Überarbeitungen saudischer Schulbücher im Kontext vergleichbarer Überarbeitungen anderer Länder der Region vollzieht, z.B. Jordaniens. Allerdings, heisst es dort, sind auch in Jordanien die Änderungen nicht von grundlegender Natur, was auf ein strukturelles Problem hinweist: Dass nämlich ein Feind gebraucht wird, um die Gesellschaft zusammenzuhalten.

Erst, wenn es auch einen gesellschaftlichen Wandel gibt, der ein Feindbild überflüssig macht, wird sich dies in den Curricula entsprechend niederschlagen. Sonst bleibt die Annäherung an Israel und die Abkehr von antisemitischen Topoi wieder nur ein Elitenprojekt.

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