Mitteilungen aus Kilis (20)

Die syrische Revolution dauert an, nunmehr auf bewaffnete Weise. Die syrische Arena wimmelt nur so von merkwürdigen und verdächtigen Interessenüberlagerungen. Das seltsamste ist der Egoismus mancher Rebellen – solcher, die womöglich andere Ziele haben als Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit.

Auswandern ist das beste, was Syrer tun können, um ihr nacktes Leben zu retten. Viele haben ihr Hab und Gut verloren und viele ihre Existenz. Die Armen waren die ersten, die für die Revolution im Inneren gebrannt haben – und jetzt brennen sie für sie im Exil. Was die Reichen und die Profiteure angeht, so haben sie das Land verlassen, um ihr bequemes Leben ungehemmt fortzusetzen.

Die Kriegstreiber und Milliardäre unter den Kriegsprofiteuren bilden eine neue Sekte in Syrien. Einige derer, die zwischen die Fronten gerieten, hat der Krieg zu Dieben und Mördern gemacht, während andere ursprünglich Kriminelle und Banditen sind, die für das System gearbeitet haben und nun auf eigene Rechnung tätig sind.

Die syrischen Vertriebenen sind vom Regen in die Traufe geraten, von einem Elend zum nächsten Elend, vom Tod zum Tod, von der Demütigung zur Demütigung. Der Fall der in Syrien Belagerten ist noch viel schlimmer. Sie haben Bäume und sowohl Haus- als auch Wildtiere aufgegessen, sodass ihnen nur noch das Fleisch der Toten blieb. Unter den Sterbenden befinden sich auch Säuglinge, die nicht genug zu essen bekommen. Der Rest stirbt durch russische, iranische und amerikanische Waffen.

Die Welt verhält sich wie ein Komplize und ist so hilflos, dass sie nicht mehr als ihre Muskeln spielen lässt. Aber wenn Muslime in Burma und in Syrien vernichtet werden und auf abscheulichste Art getötet werden, dann gibt es international nur Studien und Schuldzuweisungen.

Die Genfer Konferenz ist ein Verrat am syrischen Volk. In Wahrheit haben wir es mit einem Krieg gegen den Islam zu tun. Wir sind gegen eine Diktatur auf die Strasse gegangen, die von Assad und einer Diebesbande ausgeübt wurde. Gleich ob Miliz oder Oppositionsvereinigung, sei sie religiös oder nicht: wenn das Vetorecht nicht akzeptiert und mit uns nicht nach demselben Prinzip zusammengearbeitet wird, dann geht das Töten weiter und die Konferenz wird nicht weniger schlecht sein als das Regime von Bashar al-Assad.

(Aus dem Arabischen von Michael Kreutz. Der Text gibt nicht notwendigerweise die des Blogbetreibers wieder.)