Zu oft schon hatten man gehofft, den Iranern würde es gelingen, ihr so verhasstes klerikales Regime abzuwerfen, das in Sachen Hinrichtugen von Rekord zu Rekord eilt und das Land fest in seinem Griff hat, doch hat die Vergangenheit Vorsicht gelehrt. Am Ende hat das Regime noch immer die Oberhand behalten.
Auch dieses Mal scheinen die Unruhen stärker als je zuvor. Angeblich hat Khamenei einen Notfallplan erarbeitet, nach Moskau auszureisen, sollte es seinen Schergen nicht gelingen, die Unruhen, die schon längst das ganze Land erfasst haben, niederzuschlagen. Vielleicht wird ihnen das gelingen.
Wie ein Hals in der Schlinge
Allerdings hat Khamenei im letzten Jahr gesehen, wozu die Israelis militärisch imstande sind. Schon damals war er gezwungen unterzutauchen und hatte er mehrere potentielle Nachfolger ernannt, sollte Israel es gelingen, ihn auszuschalten, wie es das zuvor mit Hassan Nasrallah, dem Generalsekretär der libanesischen Hisbollah gelungen ist.
Und dieser Tage musste Khamenei mit ansehen, wie leicht es den USA fiel, mit Maduro den Staatschef eines anderen Landes in dessen Machtzentrale zu ergreifen. Maduro war, wie Nasrallah, ein Verbündeter Teherans; Venezuela fällt somit als potentieller Zufluchtsort für Khamenei aus.
Dann sind da noch die Houthis, weitere Verbündete, deren Position durch Israel geschwächt wurde. Nicht zuletzt hat mit Bashar al-Assad ein mit Iran und Russland verbündeter Diktator Hals über Kopf sein Land Syrien verlassen müssen. Der Einfluss des Mullah-Regimes ist wie der Hals in einer Schlinge, die sich zuzieht.
Die Machtstrukturen werden brüchiger
Mittlerweile sollen unter den Insurgenten auch zunehmend Überläufer der Armee und selbst die meisten Bazaris sein, die lange das Rückgrat des Regimes stellten, sodass die Machtstrukturen immer brüchiger werden. Der Exilierte Schah-Sohn Reza Pahalavi scheint dabei die Symbolfigur schlechthin für eine neue Ordnung zu sein; sein Name ist immer wieder bei den Protesten zu hören.
Deutsche Medien scheint das mit Ausnahme von «Bild TV» und «Welt TV» eher mässsig zu interessieren; grosse Aufmerksamkeit generiert das Thema nicht. Viel zu lange und teils bis heute hat man an das Märchen von der Reformierbarkeit eines Regimes geglaubt, dessen Machtapparat ein Eigenleben führt, das keiner Kontrolle unterliegt und über mächtige Ressourcen verfügt.
Majles (Parlament), Präsident und Kabinett sind nur Staffage auf der politischen Bühne und dienen allein dazu, dem Ausland, insbesondere dem Westen, vorzugaukeln, Iran sei ein normales Land. Vielleicht wird auch dieser Aufstand niedergeschlagen werden; ewig jedoch wird sich ein Regime nicht halten können, das zur eigenen Machterhaltung gezwungen ist, mit immer härterer Hand zu regieren.
Nachtrag 7. Januar 2026
Auch wenn sich die Videos, die derzeit viral gehen, nicht unablässig verifizieren lassen, kann man doch feststellen, dass die Proteste im ganzen Land ein erhebliches Ausmass angenommen haben und es sogar zu Gefechten mit den Sicherheitskräften kommt, die sich zum Teil vor der Menge zurückziehen.
Offen wird «Tod Khamenei» (marg bar-Khamenei) skandiert:
