Derzeit gross angesagt ist das im vergangenen Jahr erschienene Buch des Nahostexperten Michael Lüders, der aus den Medien weithin bekannt ist. Tatsächlich handelt es sich um ein Machwerk, wie gleich schon zu Beginn deutlich wird. Den Sturz des iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh 1953 erklärt er darin um «Sündenfall» des Westens im Nahen Osten schlechthin.
Autor: Michael Kreutz, Dr. phil.
Orientalist (Dr. phil.), Politologe & Kulturjournalist. Website: www.michaelkreutz.net
Was rechte und linke Populisten eint
Integriert ist man, wenn man in eine Gesellschaft hineingeboren wird — oder aber sich seinen Platz in der Gesellschaft erwirbt. Das geht, indem man die Landessprache erlernt, sich ein soziales Umfeld schafft und eine Existenz aufbaut. Der Einwanderer wird somit Teil der Gesellschaft, in der er seinen Lebensmittelpunkt findet und der seine Loyalität gilt. Im Idealfall wird dieser Prozess durch die Verleihung der Staatsangehörigkeit gekrönt. Mit dieser identifiziert er sich, weil sich der einst Zugewanderte sie sich selbst erarbeitet hat.
Absurd: Ein Land, das vom Export profitiert wie nur wenige andere, will von Freihandel nichts wissen. Stimmungsmacher gegen TTIP und CETA reden den Menschen ein, es würden nur Grosskonzerne von letzteren profitieren. Dabei spräche selbst dann nichts gegen diese Abkommen, selbst wenn dem so wäre. Es müssten schon erhebliche Nachtteile für die gesamte Gesellschaft zu erwarten sein, um gegen sie zu stimmen. Das anzunehmen aber gibt es keinen Grund.
Angesichts der Tatsache, dass säkulare Gesellschaftskonzepte wenig Resonanz in den islamischen Gesellschaft finden, stellt sich die Frage, welche innerislamischen Kräfte gegen den politischen Islam mobilisiert werden können. Liegt die Hoffnung im Sufismus?
Grosse Aufregung um einen Badeanzug: Der Burkini soll verboten werden, fordern manche auch in Deutschland. Wozu eigentlich?
Mit Sindbad gegen den Westen
Wer kennt nicht die Abenteuer von Tim und Struppi, die wir als Kinder gelesen haben und vielleicht noch als Erwachsene mit Nostalgie betrachten. Die iranische Führung sieht in den beiden Figuren des belgischen Zeichners Hergé jedoch etwas ganz anderes.
Pseudo-Feminismus
Nach dem einfachen Schleier steht jetzt also die Ganzkörperverhüllung im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte. Allerdings wird selten nach dem Bedeutungskontext gefragt und so kommt es einmal mehr zu Fehlinterpretationen pseudo-feministischer Natur.
Was ist denn ‚der Islam‘? … Wenn Sie heute mit Syrern oder Irakern um die 30 reden, dann werden eine ganze Reihe von denen sagen, dass Konfession für sie im persönlichen Alltag keine Rolle gespielt hat.» In einem Streitgespräch in der «Welt» treten all die falschen Argumente zum Vorschein, die die Islamdebatte hierzulande prägen.
Über den gegenwärtigen Zustand der Islamwissenschaften gäbe es eine Menge zu sagen, positives wie negatives. Vieles ist zu loben, manches zu tadeln. Was die Grundlagenforschung betrifft, so werden an den einzelnen Instituten zu allen Aspekten der Islamischen Welt noch immer hervorragende Leistungen erbracht. Unübersehbar ist jedoch, wie sehr der Postkolonialismus dem Fach seinen Stempel aufgedrückt hat – mit verheerenden Folgen, wie ein aktuelles Beispiel zeigt.
Nomaden und Grossmächte
An dieser Stelle ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Ab und an machen Wissenschaftsverlage ältere Inhalte gratis online verfügbar. Das betrifft auch den aus meiner Feder stammenden Artikel «Der politische Nomade: Die Wahhābiten des 19. Jahrhunderts im Spiegel französischer Diplomatie.»
